Strom, Wasser, Brot – über die verheerenden Zustände in Qamishli, Al Hasaka, Syrien und wie wir unterstützen können

Ein Gastbeitrag der Seebrücke Aschaffenburg

Es ist allgemein bekannt, dass Kriege den Staaten nicht Aufbau und Fortschritt bringen, sondern nur Zerstörung. Ein Land wie Syrien und eine Stadt wie Qamishli leben seit 2011 bis heute in einem Zustand des Krieges und der Zerstörung. Ein Krieg, der Tausende unschuldiger Kinder und Frauen das Leben kostete, Millionen von Menschen vertrieben, alle Dienstleistungen wie Verkehr und Bildung zum Erliegen gebracht und Schulen und Krankenhäuser zerstört hat. Natürlich wird dieser Krieg zu sehr schmerzhaften Ereignissen wie verwitweten Frauen und Waisenkindern sowie dauerhaften Behinderungen, hohen Preisen für Nahrungsmittel und Medikamente, der Verschlechterung der syrischen Währung und der Ausbreitung tödlicher Krankheiten und Epidemien wie Herzinfarkten als Folge des täglichen Leidens, insbesondere für arme Familien, führen. Was zu erhöhtem Leid und Angst geführt hat, ist der Ausbruch des Coronavirus. Der Ausbruch hat viele Kinder gezwungen, die Schule abzubrechen und zur Arbeit zu gehen, weil sich die wirtschaftliche Lage des Landes verschlechtert. Bitte an alle, die in ihrem Herzen die Gefühle der Menschlichkeit und Liebe tragen, zu sympathisieren und den Menschen in Not in Syrien im Allgemeinen und der Stadt Qamishli im Besonderen zu helfen.“ (Kurzbericht und Appell von M.A., Bewohner von Qamishli und Vater von S., Juli 2020)

S. A. ist Anfang dreißig und lebt seit einigen Jahren mit seiner Frau und zwei Kindern in Deutschland. Er kommt aus Qamishli, einer syrischen Millionenstadt an der türkischen Grenze, in der hauptsächlich Kurden leben. Seine Eltern blieben auch nach Ausbruch des Bürgerkriegs in der Stadt, ebenso wie sein ältester Bruder. S. hat aber täglich Kontakt mit seinen Eltern und ist über die Situation in Qamishli bestens informiert. Er selbst hat noch die ersten Jahre des Bürgerkriegs miterlebt und beschloss schließlich, Syrien zu verlassen und über die Balkanroute nach Europa/Deutschland zu fliehen.

Konkrete Unterstützung der Menschen vor Ort:

Als die Türkei im Oktober 2019 die Drohung wahrmachte und nordsyrisch-kurdische Gebiete besetzte, flohen Tausende nach Qamishli, wo es noch verhältnismäßig sicher war. Zunächst wurden die Menschen in freistehenden Wohnungen, in Moscheen und Schulen der Stadt untergebracht. Als der Platz nicht mehr reichte, entstanden Flüchtlingslager. Der Winter stand vor der Tür und wir überlegten, wie wir ein wenig Abhilfe leisten konnten. S. und ich begannen, bei Familie, Freunden und Bekannten Geldspenden zu sammeln, um diese den Menschen in Qamishli zukommen zu lassen. Zunächst wollten wir NGOs, die dort aktiv sind (z.B. Roter Halbmond) unterstützen, jedoch haben wir uns dagegen entschieden – wir wollten, dass die Menschen nicht nur Dinge zum Überleben erhalten, sondern ihnen möglichst direkt finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Wir wollten wissen, was mit dem Geld passiert und wer es erhält.

M.A., der Vater von S., übernahm die Aufgabe, Menschen – vor allem Frauen und Kinder – zu finden, das Geld aufzuteilen und ihnen zu überbringen.

Aktuell in Qamishli:

Die Versorgungssituation in Qamishli spitzt sich zu. Strom, Wasser, Brot – es fehlt mittlerweile an allem. Die Temperaturen sind zwischenzeitlich bei 45 Grad angelangt und das Coronavirus breitet sich aus. Syrien befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die Währung ist instabil und unberechenbar. Das Gesundheitssystem war auch vor dem Krieg nicht sonderlich gut, nun ist die Situation unerträglich. Durch zwischenzeitliche Grenzöffnungen in den Irak und die Türkei kam es wohl zu einer Ausbreitung des Coronavirus – wir können uns alle vorstellen, was eine rasche Ausbreitung des Virus für geflüchtete Menschen, denen kaum die wichtigsten Dinge des Lebens zur Verfügung stehen, bedeutet.

Darum möchten wir erneut Spenden für Qamishli sammeln und damit auch unsere Solidarität mit den Bewohner*innen ausdrücken.

Kontakt:

Falls jemand Interesse daran hat, den Menschen in Qamishli direkt finanziell zu helfen: Schreibt eine E-Mail an chrisenglert@web.de mit dem Betreff „Spende nach Qamishli“. Wir können dann in Kontakt treten und alles Weitere besprechen.

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