Fridays for future: Der internationale Streiktag in Aschaffenburg

Für Freitag, den 15. März hatte die Schüler*innenbewegung Fridays for future zum internationalen Klimastreiktag aufgerufen.
Nach Angaben der Organisator*innen beteiligten sich in über 100 Ländern vorwiegend junge Menschen an den Protesten.

Auch in Aschaffenburg gingen Schüler*innen und Unterstützer*innen auf die Straße, wobei die Zahlenangaben zur Beteiligung stark schwanken. Laut Presse nahmen bis zu 1.500 Leute an der Demonstration teil, was etwa 300 mehr als beim ersten Streiktag am 08.02. gewesen wären.
Unseren eigenen Zählungen nach beteiligten sich in der Spitze gut 500 Personen. Eine Einschätzung die also deutlich unter den Zahlen der Presse liegt.
Doch Zahlenspielereien hin und her: was bleibt ist die Tatsache, dass die Demo lautstark und motiviert klare Ansagen auf die Straße trug: Es ist kurz vor 12. Politik und Gesellschaft müssen endlich schnell auf den Klimawandel reagieren und konkret Handeln.

Neben einem Kohleausstieg bis spätestens 2030 wurde das Thema Verkehrswende prominent platziert.

Zahlreiche selbstgebastelte Schilder und Parolen brachten die Anliegen der Schüler*innen zum Ausdruck. Und immer wieder wurden Parolen gerufen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut”.

Bei der Eröffnungskundgebung gab es neben Beiträgen von Schüler*innen und Live-Musik auch einen kurzen Solidaritätsgruß eines „scientists for future“ Unterzeichners der FH Aschaffenburg. Das Papier, welches mittlerweile von mehr als 23000 Wissenschaftlern unterschrieben ist, wurde explizit als argumentative Rückendeckung für die wachsende FFF-Bewegung verfasst.

 

Wachsende Bewegung oder Einbindung ins politische Geschäft?

Wieso sich in Aschaffenburg trotz eines recht langen Vorlaufs und einem guten Auftakt am ersten Streiktag im Februar letzten Endes nicht viel mehr Leute beteiligten, bleibt eine offene Frage.

Lag es an den vielen angedrohten und an manchen Schulen tatsächlich verteilten Verweisen? Wir können darüber nur spekulieren, hoffen aber, dass sich die Schüler*innen nicht einschüchtern lassen und die Bewegung weiter Zulauf erhält.
Und das selbstorganisiert und unabhängig von Parteien, deren Mitglieder in der Bewegung wahrscheinlich so manche Wählerstimmen von morgen sehen und sich auch deshalb bei den Protesten in Szene setzen.

So radelte sich Aschaffenburgs grüner OB-Kandidat Wagener wahrscheinlich schon mal für den Kommunalwahlkampf 2020 ein, als er mit dem Fahrrad die Lautsprecheranlage in mitten der Fridays for Future Demo fuhr.

Das hierbei unterstellte Kalkül kommt nicht von ungefähr, inszenieren sich die Grünen doch im Wahlkampf gerne als kompromisslose Klimakämpfer*Innen und vergessen hinterher ihre Ideale schnell wieder. Das spiegelt sich nicht zuletzt in ihrer Politik zum Ausstieg aus der Kohleenergie wider – einem zentralen Thema bei Fridays For Future.  Hier sei daran erinnert, dass die NRW-Grünen
2018 einen Parteitag symbolisch an die Abbruchkante des rheinischen Tagebaus legten, wobei sie erst zwei Jahre zuvor – noch in Regierungsverantwortung – schmerzhafte Kompromisse in Sachen Kohleförderung eingegangen sind.

In Bewegung bleiben: kompromisslos, unabhängig und mit dem nötigen Ungehorsam!

Beim Klimaschutz darf es keine derartigen Kompromisse mehr geben. Denn auch wenn es nicht sympathisch klingt: die Klimabewegung muss kompromisslos sein, sofern sie erfolgreich sein will. Erfolgreich in dem Sinne, dass wenigstens das dringend notwendige 1,5° Ziel erreichbar bleibt.

Und wer aus machtpolitischen Abwägungen, realpolitischer Sachzwangslogik oder aus welchen Gründen auch immer einknickt, verliert seine Glaubwürdigkeit und muss sich die berechtigte Kritik aus der Bewegung gefallen lassen.

Schwer vereinnehmbare Aktionsformen haben in Klimakämpfen Tradition. Und Anknüpfungspunkte für die außerparlamentarische Bewegung gibt es viele. Spätestens wenn vom 20. bis 23. Juni das Bündnis Ende Gelände für eine weitere Massenaktion des zivilen Ungehorsams ins rheinländische Braunkohlerevier mobilisiert, werden sich auch aus Aschaffenburg Menschen in Richtung Grube aufmachen. Wer Interesse an einer Mitfahrt oder Aktionsvorbereitung hat, darf sich gerne an uns wenden.

 

Video Ende Gelände 2018

 

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