Fridays for future: Verweise sind scheiße!

Im Februar gingen erstmals Aschaffenburger Schüler*innen auf die Straße um sich an den Fridays for future Protesten zu beteiligen. Die Androhung von Verweisen auf das Fernbleiben vom Unterricht hat sich im Nachgang nicht als leere Drohung erwiesen. Unter anderem an der Maria-Ward-Schule wurden Verweise an streikende Schüler*innen verteilt.

Nach Bekanntwerden kündigte der Stern e.V. – der in der Platanenallee 1 die gleichnamige Kulturkneipe betreibt – an, für jeden mitgebrachten Verweis ein Freigetränk zu spendieren.  Oder alternativ eine Spende an Ende Gelände zu tätigen.

Zur Aktion haben wir bei Sternmitglied Jörg kurz nachgefragt.


361°: Hallo Jörg, wie kam es zur Idee der Freigetränk-Ankündigung?

Jörg: Das war eine spontane Idee aus der Begeisterung heraus, dass sich da unter jungen Leuten eine globale soziale Bewegung entwickelt, die – anstatt in der Schule so ziemlich nichts für’s Leben zu lernen –  lieber auf der Straße für das zukünftige Überleben von Millionen von Menschen kämpft.

Aber das raffen die Schul-Autoritäten ja nicht, sondern drohen lieber mit Sanktionen gegen streikende Schüler*innen. Wir dachten uns: Ok, dann konterkarieren wir die Bestrafungen eben mit Belohnungen. Und kommen so auch gemeinsam ins Gespräch.

 

361°: Wie fiel die Resonanz aus? Wurden tatsächlich Verweise vorgelegt?

Jörg: Ja, tatsächlich kamen zwei Schülerinnen mit Verweisen. Von der Maria-Ward, die aber auch traditionell in Aschaffenburg überdurchschnittlich viele Rebell*innen unter ihren Schülerinnen im Laufe der Jahre hervorgebracht hat. Anscheinend beschleunigen christlich-konservative Schulstrukturen bei Betroffenen Erkenntnis und Widerstandswille (auch über kirchliche Doppelmoral) schneller als woanders. Da liegt halt die Verlogenheit besonders offen, aber da kommen  wir jetzt etwas vom Thema ab, gell?

361°: Habt ihr Informationen, wie viele Verweise insgesamt an Aschaffenburger Schulen verteilt wurden?

Jörg: Eigentlich wissen wir sicher nur von den Verweisen auf der Maria Ward. Anscheinend sollte gegenüber Streikenden auf dem HSG (Hans-Seidel-Gymnasium in Hösbach)  auch Verweise verteilt werden, aber nach öffentlichem Druck, u.a. von Eltern, sind die dann wohl zurückgerudert und haben nur irgendwelche mündlichen Ermahnungen erteilt.

Was lächerlich genug ist: Die (Lehrer*innen-)Generation die Wissen vermitteln soll, weiß sich selbst anscheinend nur mit irgendwelchen Formen von Repression zu helfen. Vom Zustand der Welt scheinen die wenig zu wissen, sonst müssten nicht sie Schüler*innen die Inhalte auf die Straße tragen, die eigentlich in einer Schule vermittelt werden sollten.

361°: Böse Zungen werden behaupten, euch geht es nur um Aufmerksamkeit. Wir ernst ist der Support von FFF gemeint?

Jörg: Aha. Schlecht für die bösen Zungen, denn unsere Getränke dürfen nur von lieben Zungen geschlabbert werden.

Im Ernst, ich kann jetzt nicht für alle im Stern sprechen: Aber zum einen formulieren wir in unserem Selbstverständnis das Streben nach einer solidarischen Welt für alle Menschen – die ja aber auch nur dann möglich ist, wenn die ökologischen Lebensgrundlagen weltweit erhalten werden.

Insofern ist vielen von uns – als Teil des politischen Aktivismus – der Kampf gegen die Klima- und ökologische Zerstörung insgesamt sehr ernst. Da, wo ich herkomme, haben wir während meiner Schulzeit gegen die ortsansässigen Atom-Energie-Konzerne Demonstrationen und Info-Veranstaltungen organisiert. Andere beteiligen sich an den “Ende Gelände”-Aktionen gegen die Verwüstungen der Kohle-Industrie. Wieder andere demo-radeln gegen die tödliche Dominanz der Auto-Industrie.

Deswegen ist der Support jeder sozialen Bewegung wichtig, die nicht länger zusehen will, wie das “Business as usual” eines kapitalistischen Systems Lebensgrundlagen zerstört, und Menschen in die Verelendung treibt.

Und da wir uns als explicit außerparlamentarisch verstehen, ist etwaiger Support von uns mit Sicherheit ernster gemeint, als von den ganzen Partei-Promis, die sich jetzt an FFF dranhängen und ihre scheinbar ökologische Agenda beim nächsten Koalitionsflirt mit den Umweltzerstörungs-Lobbyist*innen-Parteien (wie der CSU) schnell wieder vergessen haben.

Also liebe Aktivist*innen von FFF oder anderen Orgas, die den Wahnsinn der Kohle-, Auto-, Gen, etc. Technologie bekämpfen: unsere Räume sind auch Eure Räume: Ihr könnt sie gerne für Eure Treffen, für Eure Info-Vas oder für Absprachen über gemeinsame Aktionen jederzeit nutzen. Von uns will Euch niemand bis zur Unkenntlichkeit zähmen. Im Gegenteil: wir möchten mit Euch noch mehr werden!°

361°: Wir danken dir für die Beantwortung der Fragen!

Jörg: Ich danke für das Stellen der Fragen!

 

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1 Antwort

  1. matthew sagt:

    Super! FFF & Stern. Eine Erde.

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